Carsharing wird in Deutschland immer populärer. Grundlage des Erfolgs von Carsharing ist ein gesellschaftlicher Umbruch. Teilen ist das neue Haben. Zunächst in großen Städten und Ballungsräumen streben immer mehr vornehmlich junge und umweltbewusste Menschen nicht mehr den Besitz eines eigenen Autos als teures Statussymbol an. Diese Menschen wünschen sich stattdessen Teilhabe an Mobilität. Sie sind hochflexibel und suchen sich je nach Situation das am besten geeignete Verkehrsmittel für sich aus: Die Bahn, den ÖPNV, das Fahrrad oder eben das Auto – manchmal sogar kombiniert auf einer Route. Und sie sparen dabei auch noch eine Menge Geld. Bei Fahrleistungen unter 15.000 Kilometer im Jahr ist Carsharing erheblich günstiger als der Besitz eines eigenen Autos. Nutzer von Carsharing-Angeboten belasten sich nicht mit Kosten etwa für Versicherungen, Wartung oder Wertverlust. Zu Beginn gab es Carsharing fast ausschließlich in großen Städten, meist genossenschaftlich oder in Vereinen organisiert. Doch es gab nur wenige verfügbare Fahrzeuge und umständliche Buchungsprozesse – das war für die meisten Menschen einfach nicht praktikabel. Doch der digitale Wandel hat Buchung und Nutzung von Carsharing-Angeboten kinderleicht gemacht. Mittlerweile sind etablierte Autovermieter, Autohersteller und Mobilitäts-Konzerne wie die Bahn in das Carsharing-Geschäft eingestiegen. Dadurch erreicht Carsharing auch immer stärker kleinere Städte in der Fläche. Kleinere lokale Anbieter ergänzen das Angebot der großen Player. Es gibt Kommunen, die mit Carsharing-Modellen ihre Innenstädte von Autos entlasten und gleichzeitig die Mobilität ihrer Bürger stärken möchten. Sogar Hochschulen stellen schon Carsharing-Fahrzeuge für ihre Studenten bereit.

Mobil bleiben mit der Carsharing App

Das Steuergerät für alle diese Carsharing-Angebote ist im digitalen Zeitalter das Smartphone mit Carsharing Apps. Sie sind multifunktional und einfach zu bedienen. Einmal bei einem oder mehreren Carsharing-Anbietern registriert finden und buchen die Nutzer per Carsharing App passende Fahrzeuge, planen Touren und verwalten ihre Accounts. Mit vielen dieser Apps kann man mittlerweile auch das gebuchte Auto öffnen. Diese Funktion wird mittelfristig die ebenfalls noch verbreiteten Karten oder Lösungen mit Schlüsseltresoren verdrängen. Manche Apps sind auch für Smartwatches verfügbar. Es gibt zig dieser Carsharing Apps. Neben den Apps der einzelnen Carsharing-Unternehmen finden sich im Netz auch Universal-Lösungen, über die man die Fahrzeuge vieler Anbieter finden und buchen kann. Wir zeigen hier die besten Carsharing Apps, darunter auch einige charmante Exoten.

MeMobility – die schnelle Universal-App

Die App ist in Deutsch und Englisch kostenlos für Android- und Apple-Geräte verfügbar. Auf einer Karte zeigt MeMobility den Standort und die Entfernung der in der Nähe verfügbaren Fahrzeuge von DriveNow, car2go, Flinkster, Multicity (Citroén-Elektrofahrzeuge), CiteeCar (ausschließlich KIA-Kleinwagen), eMio (Elektro-Roller), Tamyca (privates Carsharing) und Call a Bike (Fahrrad-Verleih). Zusätzlich gibt die App Informationen zur Tankanzeige und den Zustand des Fahrzeugs. Neben den Standorten der Fahrzeuge kann man sich auf der Karte auch noch Ladestationen, Tankstellen und ÖPNV-Haltestellen anzeigen lassen.
Kunden von car2go können Fahrzeuge direkt aus der App reservieren, die Apps von Flinkster und Multicity sind verknüpft. Bei den anderen Anbietern erfolgt die Buchung über den jeweiligen Kunden-Account. Die Carsharing App MeMobility eignet sich besonders für intensive Carsharing-Nutzer in Großstädten mit einem breiten Angebot. Nutzer loben, dass die App schneller ist, als die Apps der einzelnen Anbieter.

Free2Move – ein Account für viele Anbieter

Die siebensprachige App ist kostenlos für Android, iOS und Windows-Smartphones verfügbar. Auch Free2Move zeigt auf einer Karte die Fahrzeuge vieler verschiedener Anbieter mit Standort und Entfernung. Das erlaubt einen besonders leichten Vergleich. Der besondere Mehrwert dieser Carsharing App: Man kann sich in der App bei allen oder ausgewählten unterstützten Carsharing-Anbietern gleichzeitig registrieren und die App dann auch zur Buchung aller Angebote nutzen. In drei einfachen Schritten muss man seine Anmeldedetails eingeben, den Führerschein und die Identität verifizieren und die Anbieter auswählen, für die man sich registrieren will. Das scheint aber nur beim aktuellen Euro-Führerschein problemlos zu klappen. Nutzer bemängelten, dass man ältere Führerschein-Dokumente (etwa den rosafarbenen oder gar die bis 1986 verwendete „graue Pappe) nicht validieren kann.

Mobility Map – die komplette Mobilitäts-Lösung

Diese nur für Android verfügbare Carsharing App visualisiert auf einer Karte die Fahrzeuge von etlichen Carsharing-Anbietern. Fahrzeuge von car2go, DriveNow, Hertz 24/7 und Tamyca sind direkt aus der App buchbar. Zusätzlich kann man sich noch ein Taxi, uber-Car rufen und Fahrkarten für den ÖPNV buchen. Fahrzeuge von Anbietern wie Flinkster, Cambio, Greenwheels, CiteeCar oder Call a Bike werden angezeigt – die Buchung erfolgt aber über den Account bei diesen Unternehmen.
Besonders praktisch an Mobility Map: Zu einer gewünschten Route zeigt die App alternative Mobilitäts-Angebote mit Fahrpreisen, Fahrplänen und Fahrtzeiten. Dafür navigiert die App den Nutzer etwa auch zur nächsten Bushaltestelle. In einer Monatsübersicht zeigt die App alle Buchungen mit Fahrzeug, Nutzungszeiten und Kosten.

car2go – Der Mercedes unter den Carsharing-Angeboten

car2go ist die Carsharing-Tochter des Automobil-Riesen Daimler – deshalb sind nur dessen Fahrzeuge in der Flotte: vom kleinen Smart bis zur Mercedes B-Klasse. Car2go ist in zahlreichen Metropolen Europas und Nordamerikas aktiv, in Deutschland sind das Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Der Account funktioniert europaweit. Die für Android, iOS und Windows verfügbare Carsharing App versteht sogar Chinesisch oder Russisch. Sie zeigt auf einer Karte weltweit alle verfügbaren Autos an, zeigt unter anderem den Tankstatus und navigiert den Nutzer automatisch zum Standort. Die App funktioniert auch als Autoschlüssel. Eine Fahrzeug-Reservierung ist mit der App bis zu 30 Minuten im Voraus möglich. Zusätzlich zeigt die App die sogenannten car2go-Parkspots an, wo man das Auto kostenlos abstellen kann. Besonders praktisch an car2go: Es gibt keine festen Anmietstationen. Innerhalb des Geschäftsgebietes kann man das Auto nach Mietende abstellen wo man möchte und muss es nicht zu einem vereinbarten Ort zurückbringen. Das macht das Angebot besonders flexibel und bequem.

DriveNow – Cabrios zum Teilen

DriveNow ist das gemeinsame Carsharing-Unternehmen von BMW und dem Autovermieter Sixt. Auch dieser Anbieter setzt auf die hochflexible Lösung mit frei verteilten Autos über das Geschäftsgebiet ohne feste Anmiet- und Abgabestationen. In Deutschland ist DriveNow in München, Berlin, Düsseldorf, Köln und Hamburg aktiv. In der Flotte sind ausschließlich Fahrzeuge von Mini und BMW – darunter auch Cabrio-Modelle. Die siebensprachige App bietet einige nützliche Features. So zeigt sie automatisch das nächstgelegene Fahrzeug an. Der Nutzer kann aber auch auf eine Wunschfahrzeugsuche switchen. Die Reservierung erfolgt mit nur einem Touch. Und auch hier funktioniert die App als Fahrzeugschlüssel. Wenn man am Zielort erst gar keinen Parkplatz suchen möchte kann man das Auto per App schon einem nächsten Fahrer anbieten und dort sofort übergeben.

Flinkster – die Bahn macht mobil

Mit ihrem Carsharing-Angebot Flinkster schickt die Deutsche Bahn ihre Kunden auch auf die Straße. An 1700 festen Stationen (naturgemäß viele Bahnhöfe) vermietet die Bahn in über 300 deutschen Städten Fahrzeuge. Mit der zugehörigen App kann man die Fahrzeuge nicht nur öffnen, sondern auch Buchungen ändern oder stornieren. Dank vieler Partnerunternehmen hat Flinkster vom Kleinwagen über das Cabrio bis zum 9-Sitzer Fahrzeuge für viele Ansprüche in der Flotte. Die App zeigt auch Standorte der bahneigenen Fahrräder von Call a bike an. Neben Flinkster betreibt die Deutsche Bahn auch noch die App Ford Carsharing, die Zugriff auf alle Angebote von Flinkster bietet.

Drivy – das Airbnb für Autos

Mittlerweile gibt es auch viele Autobesitzer, die ihr Fahrzeug nicht einfach größtenteils bloß herumstehen lassen wollen. Bei der privaten Autovermietung finden sich europaweit 38.000 private Fahrzeuge für eine Tagesmiete ab 15 Euro. Drivy ist immer für eine Überraschung gut: Außer Brot-und-Butter-Modellen kann durchaus mal eine top-ausgestattete Luxuskalesche im Angebot sein. Vermieter können über die App ihr Auto einstellen, die Verfügbarkeit und die Vertragsbedingungen bestimmen und Anfragen annehmen oder ablehnen. Nutzer sehen in der App den Standort und weitere Informationen über ein verfügbares Fahrzeug. Nutzer müssen den Vermieter oft nicht einmal persönlich treffen. Bei ausgesuchten Fahrzeugen funktioniert die App als Autoschlüssel. Auch wenn die Fahrzeuge über Drivy versichert sind, hat ist das Angebot zumindest für deutsche Anbieter problematisch. Man muss die Vermietung seinem Versicherer zwingend melden. Denn Versicherungen schließen die Mietnutzung eines privaten Fahrzeugs in aller Regel aus und regulieren deshalb Schäden nicht.

BwCarsharing – Willkommen bei Y-Tours

Kein Witz, auch die Bundeswehr betreibt Carsharing – nicht nur für Soldaten. Jedermann kann ein Fahrzeug aus dem Bundeswehr-Fuhrpark stunden- oder tageweise oder an Wochenenden mieten. Vor Kasernen und deutschlandweit an 1000 Stationen in über 200 Städten warten über 3600 Fahrzeuge auf Nutzer. Und Nein, das sind natürlich keine Panzer oder Schwerlaster – und olivfarben sind sie auch nicht. Die Bundeswehr hat eine Vielzahl Kompaktwagen, Kombis oder auch Vans im Angebot. Die App BwCarsharing zeigt auf einer Karte Fahrzeuge, Standort und den Preis an. Und weil die Bundeswehr eine moderne Truppe ist: Man muss sich den Schlüssel nicht an der Wache abholen. Die App öffnet auch die Fahrzeuge.